Zervikogener Schwindel: Untersuchung und Behandlung in München

Schwindel, der gemeinsam mit Nackenbeschwerden auftritt und sich mit der Kopfhaltung verändert, führt viele Patientinnen und Patienten zu mir, nachdem eine hals-nasen-ohrenärztliche und eine neurologische Abklärung ohne wegweisenden Befund geblieben sind.

Ich bin Arzt für konservative Orthopädie und Wirbelsäulentherapie in München-Sendling-Westpark. Bei Schwindel mit möglichem Bezug zur Halswirbelsäule beschäftigt mich zuerst die Frage, ob die Beschwerden überhaupt vom Hals ausgehen, und erst danach die Behandlung. Diese Reihenfolge ist hier wichtiger als bei den meisten anderen Beschwerdebildern, weil sich hinter Schwindel Erkrankungen verbergen können, die eine völlig andere Behandlung brauchen und die zum Teil keinen Aufschub dulden.

Kurzfristige Termine, ohne Überweisungsschein.

Typische Beschwerden bei zervikogenem Schwindel

Patientinnen und Patienten, bei denen sich am Ende eine Beteiligung der Halswirbelsäule zeigt, schildern meist eine Kombination aus mehreren der folgenden Beobachtungen:

  • Ein Gefühl von Benommenheit, Unsicherheit oder Schwanken, das über Minuten bis Stunden anhält
  • Nackenschmerz oder Nackensteifigkeit, die zeitlich mit den Schwindelphasen zusammenfallen
  • Zunahme der Beschwerden, wenn der Kopf länger in einer Position gehalten wird, etwa am Bildschirm oder beim Autofahren
  • Kopfschmerz, der vom Hinterhaupt aus in Schläfe oder Auge zieht
  • Das Gefühl, beim Gehen leicht von der Spur abzukommen, ohne tatsächlich zu stürzen

Kurzer, heftiger Drehschwindel von wenigen Sekunden Dauer, ausgelöst durch das Hinlegen oder das Umdrehen im Bett, spricht dagegen für eine Ursache im Innenohr. Diese Unterscheidung nehme ich in der Anamnese sehr genau, weil sie die gesamte weitere Abklärung bestimmt.

 
 

Untersuchung und Behandlung bei zervikogenem Schwindel in München-Sendling

Für Schwindel mit Ursprung in der Halswirbelsäule gibt es keinen Test und keine Bildgebung, die ihn beweisen. Die Zuordnung entsteht aus dem Beschwerdemuster, aus dem Ausschluss der wichtigeren Differenzialdiagnosen und aus dem Ansprechen auf eine gezielte Behandlung. Ich halte es für angemessen, das offen zu benennen, weil daraus folgt, warum ich mir für die Erstuntersuchung Zeit nehme und warum ich nach zwei bis drei Behandlungen überprüfe, ob sich überhaupt etwas bewegt.

Wie ich bei Schwindel untersuche

Manuelle Medizin bedeutet für mich nicht nur einrenken oder mobilisieren, sondern zuerst eine gründliche körperliche Untersuchung mit orthopädischen Tests, Bewegungsprüfungen und Tastbefunden, dem Erspüren schmerzhafter Regionen und Bewegungen, dem Beurteilen der Gewebekonsistenz und dem Beobachten Ihrer Reaktionen.

Bei Schwindel prüfe ich zuerst mit, ob die Beschwerden überhaupt vom Hals ausgehen. Dazu gehört eine Lagerungsprüfung nach Dix und Hallpike, mit der sich der gutartige Lagerungsschwindel erkennen lässt, die häufigste und zugleich am besten behandelbare Schwindelform. Finde ich ihn, behandle ich ihn in derselben Sitzung mit einem Befreiungsmanöver, das die Beschwerden häufig schon nach wenigen Durchgängen deutlich bessert. Dazu kommen einfache Untersuchungen von Augenbewegung, Blickstabilität und Gleichgewicht, die auf eine Ursache im Innenohr oder im Nervensystem hinweisen. Bleibt diese Ebene unauffällig, prüfe ich mit gezielten Handgriffen die Beweglichkeit der Kopfgelenke und der oberen Halswirbelsäule und untersuche die Nackenmuskulatur auf Spannung und Druckempfindlichkeit.

Bildgebung veranlasse ich nicht routinemäßig. Verschleißbedingte Veränderungen der Halswirbelsäule finden sich ab dem mittleren Lebensalter bei vielen beschwerdefreien Menschen und erklären einen Schwindel für sich genommen nicht.

Manuelle Medizin an der oberen Halswirbelsäule

Manuelle Behandlung der oberen Halswirbelsäule

Den Schwerpunkt der Behandlung lege ich auf die Kopfgelenke und die oberen Segmente der Halswirbelsäule, weil dort die Dichte der Bewegungsrezeptoren am höchsten ist und weil ihre Signale im Hirnstamm auf dieselben Kerngebiete treffen wie die Signale aus dem Innenohr. Ich arbeite überwiegend mit Mobilisation, also mit langsam geführten, dosierten Bewegungen im mittleren Bewegungsbereich, ergänzt um Muskelenergietechniken, bei denen die Patientin oder der Patient selbst gegen einen Widerstand anspannt.

Eine Manipulation mit kurzem Impuls setze ich zurückhaltend ein und nur dann, wenn die Untersuchung dafür spricht und keine Gegenanzeige vorliegt. Bei Schwindel als Leitsymptom ist diese Zurückhaltung besonders angebracht, weil Schwindel selbst zu den Symptomen gehört, die auf ein Gefäßproblem hinweisen können. Wie die Behandlung am Kopf-Hals-Übergang im Einzelnen abläuft, beschreibe ich ausführlicher auf den Seiten zur Atlastherapie und zur Atlasblockierung.

 
 

Behandlung am Übergang zwischen Kopf und Halswirbelsäule

Am Übergang zwischen Hinterhaupt, erstem und zweitem Halswirbel arbeite ich mit sehr geringen Kräften. Die Region ist beweglich, dicht mit Rezeptoren besetzt und reagiert häufig schon auf kleine Reize mit einer Änderung der Muskelspannung. Viele Patientinnen und Patienten beschreiben unmittelbar nach der Behandlung eine freiere Kopfdrehung und ein ruhigeres Gefühl beim Blickwechsel. Ob sich das stabilisiert, zeigt sich erst über mehrere Termine, und bei einem Teil der Behandelten stellt sich diese Reaktion nicht ein.

 
 

Myofasziale Techniken und Behandlung der Nackenmuskulatur

Die kurze Nackenmuskulatur zwischen Hinterhaupt und den oberen Halswirbeln ist bei diesem Beschwerdebild fast immer druckempfindlich und in ihrer Spannung verändert. Ich behandle sie mit Druck- und Dehntechniken, mit Triggerpunktbehandlung und mit myofaszialen Techniken, die auch die Nacken-Schulter-Region und den Übergang zur Brustwirbelsäule einbeziehen. Beschreiben lässt sich der Effekt als Änderung der Muskelspannung und der Druckempfindlichkeit, und diese Veränderung geht bei einem Teil der Patientinnen und Patienten mit einer Besserung der Benommenheit einher.

 
 

Akupunktur als ergänzende Maßnahme

Bei ausgeprägter Verspannung der Nacken- und Schultermuskulatur und bei begleitendem Spannungskopfschmerz setze ich Akupunktur ergänzend ein. Für die Behandlung von Nackenschmerz liegen dazu Untersuchungen vor, für den Schwindel selbst liegt keine belastbare Evidenz vor. Ich verwende sie deshalb als Begleitmaßnahme für die Schmerz- und Spannungskomponente und stelle sie nicht als eigenständige Behandlung des Schwindels dar.

 
 

Quaddeln, Triggerpunktbehandlung und Infiltrationen

Mit feinen Quaddeln in die Haut über dem zugehörigen Segment und mit Injektionen an druckschmerzhafte Muskel- und Sehnenansätze arbeite ich dann, wenn die Schmerz- und Spannungskomponente im Vordergrund steht. Verwendet werden dabei ein Lokalanästhetikum und, je nach Indikation, naturheilkundliche Wirkstoffe. Der Ansatz zielt darauf, ein eingefahrenes Schmerzmuster zu unterbrechen und die Durchblutung im behandelten Gewebe zu verbessern.

Gelenknahe Infiltrationen an der Halswirbelsäule setze ich selten und gezielt ein, im Wesentlichen bei einer klar zuzuordnenden schmerzhaften Störung der kleinen Wirbelgelenke. Auf den Schwindel selbst wirken sie erfahrungsgemäß nicht unmittelbar, sie können aber den Nackenschmerz so weit senken, dass eine manuelle Behandlung überhaupt möglich wird.

Eigenübungen und sensomotorisches Training

Die Behandlung in der Praxis trägt nur einen Teil. Ich leite Übungen an, die auf drei Ebenen ansetzen: Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule, Ansteuerung und Ausdauer der tiefen Halsbeuger sowie Übungen für Blickstabilität, Kopfrepositionsgenauigkeit und Gleichgewicht. Für die dritte Ebene besteht bei Schwindel mit Bezug zur Halswirbelsäule die am besten nachvollziehbare Begründung in der Literatur, und sie kommt in Eigenregie am seltensten vor.

Dazu kommt die Frage nach der Haltung über den Tag. Lange gehaltene Kopfpositionen am Bildschirm und im Auto verstärken die Beschwerden bei vielen Patientinnen und Patienten. Ich bespreche Bildschirmhöhe, Sitzposition und die Frage, in welchen Abständen ein Haltungswechsel im Arbeitsalltag realistisch möglich ist.

Risiken, Gegenanzeigen und Aufklärung

Vor jeder manuellen Behandlung an der Halswirbelsäule kläre ich über den geplanten Ablauf und über die möglichen Reaktionen auf. Häufig und harmlos sind eine vorübergehende Zunahme des Nackenschmerzes, Müdigkeit und ein kurzzeitig verstärktes Benommenheitsgefühl in den ersten Stunden nach der Behandlung.

Selten, aber nicht auszuschließen, sind ernsthafte Ereignisse. Diskutiert wird vor allem der Zusammenhang mit Einrissen der Wand hirnversorgender Halsgefäße. Ob eine Behandlung solche Einrisse auslösen kann oder ob Betroffene wegen einer bereits begonnenen Gefäßveränderung mit Nacken- und Kopfschmerz in die Praxis kommen, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Praktisch bedeutet das für mich eine sorgfältige Anamnese zu Gefäßrisiken, Zurückhaltung bei Impulstechniken an der oberen Halswirbelsäule, Arbeiten im mittleren Bewegungsbereich statt an der Endstellung und den Verzicht auf die Behandlung im Zweifelsfall.

Gegen eine manuelle Behandlung der Halswirbelsäule sprechen unter anderem ein akut aufgetretener Schwindel mit neurologischen Begleitsymptomen, ein neu aufgetretener und ungewohnt starker Nacken- oder Kopfschmerz, Zeichen einer Beteiligung des Rückenmarks, entzündliche rheumatische Erkrankungen mit Befall der Kopfgelenke, eine ausgeprägte Osteoporose, der Verdacht auf einen Tumor oder eine Infektion, frische Verletzungen sowie eine gerinnungshemmende Behandlung, die gesondert abgewogen werden muss. Diese Einordnung gehört für mich zur Erstuntersuchung.

 
 
Schaubild zur Atlastherapie
 
 

Zervikogenen Schwindel verstehen

Was ist zervikogener Schwindel?

Als zervikogener Schwindel wird ein Schwindelgefühl bezeichnet, das mit einer Funktionsstörung der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur in Verbindung gebracht wird. Gemeint ist meist ein Gefühl von Benommenheit, Unsicherheit oder Schwanken, das gemeinsam mit Nackenbeschwerden auftritt und sich mit der Kopfhaltung verändert.

Der Begriff ist international umstritten. Die Bárány Society, die internationale Fachgesellschaft für Gleichgewichtsstörungen, hat 2022 eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie festhält, dass die Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen echtem Drehschwindel und Veränderungen an Halswirbeln, Nackenweichteilen oder Nervenwurzeln fehlen. Sie empfiehlt aus diesem Grund den zurückhaltenderen Begriff zervikaler Schwindel. Für die weniger klar umrissene Gruppe mit Benommenheit und Gangunsicherheit bei ausgeprägter Nackenproblematik sieht sie weiteren Forschungsbedarf.

Ich halte diese Einordnung für richtig und arbeite entsprechend. Berichtet jemand über echten Drehschwindel, suche ich die Ursache zuerst im Gleichgewichtsorgan oder im Gehirn. Steht ein anhaltendes Benommenheitsgefühl im Vordergrund, das erkennbar mit dem Nacken zusammenspielt, ist die Halswirbelsäule ein sinnvoller Ansatzpunkt.

Seemungal BM et al.: The Bárány Society position on Cervical Dizziness. Journal of Vestibular Research 2022;32(6):487-499

 
 
Anatomie der Halswirbelsäule
 

Ursachen und Auslöser

Ein einzelner Auslöser lässt sich selten benennen. In der Praxis finde ich meist eine Kombination aus mehreren Faktoren:

  • Verletzungen der Halswirbelsäule: Nach einem Beschleunigungstrauma, etwa bei einem Auffahrunfall, treten Nackenschmerz und Schwindel häufig gemeinsam auf. Als Erklärung wird eine veränderte Verarbeitung der Bewegungsinformationen aus dem Nacken diskutiert.
  • Anhaltend hohe Muskelspannung im Nacken: Die kurze Nackenmuskulatur ist besonders dicht mit Muskelspindeln besetzt. Eine dauerhaft erhöhte Spannung verändert die Signale, die von dort in das zentrale Nervensystem laufen.
  • Länger gehaltene Kopfpositionen: Arbeit am Bildschirm, längere Autofahrten und Schlafpositionen mit starker Seitneigung führen zu Bewegungseinschränkungen und zu erhöhter Spannung im Bereich der Kopfgelenke.
  • Verschleißbedingte Veränderungen: Abnutzung an Bandscheiben und kleinen Wirbelgelenken kommt mit steigendem Alter regelhaft vor. Sie ist ein möglicher Beitrag zur Beschwerdesituation, für sich genommen aber keine ausreichende Erklärung, weil sie sich ebenso bei beschwerdefreien Menschen findet.
  • Psychische Belastung: Anhaltender Stress erhöht die Muskelspannung im Nacken- und Schulterbereich und senkt zugleich die Toleranz gegenüber unklaren Körperempfindungen.

Bemerkenswert häufig finde ich außerdem eine Kombination aus einer bereits behandelten oder abgeklungenen Gleichgewichtsstörung und einer danach verbliebenen Nackenproblematik. Wer über Wochen den Kopf schont, um Schwindel zu vermeiden, entwickelt eine Bewegungseinschränkung im Nacken, die die Unsicherheit dann ihrerseits aufrechterhält.

Warum kann die Halswirbelsäule an Schwindel beteiligt sein?

Das Gleichgewicht entsteht aus dem Zusammenspiel dreier Informationsquellen: dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr, dem Sehsystem und der Tiefensensibilität aus Gelenken und Muskeln. Die obere Halswirbelsäule liefert dazu einen ungewöhnlich großen Beitrag, weil die kurze Nackenmuskulatur eine der höchsten Muskelspindeldichten des Körpers aufweist und weil ihre Signale im Hirnstamm auf dieselben Kerngebiete treffen wie die Signale aus dem Innenohr.

Verändern sich diese Signale, etwa durch anhaltend erhöhte Muskelspannung oder durch eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung, passen sie nicht mehr zu dem, was Auge und Innenohr melden. Diese Abweichung wird als Erklärung für das Benommenheitsgefühl herangezogen. Beim Menschen ist sie bislang nicht direkt nachgewiesen. Sie stützt sich auf Tierversuche, auf Beobachtungen nach Betäubung der Nackenmuskulatur und auf Messungen der Kopfrepositionsgenauigkeit bei Patientinnen und Patienten mit Nackenschmerz.

Gelegentlich wird eine Beeinträchtigung der Hirndurchblutung durch verspannte Nackenmuskulatur als Erklärung angeboten. Diese Vorstellung ist nicht belegt. Eine mechanische Einengung der Arteria vertebralis durch Kopfdrehung kommt vor, sie ist ausgesprochen selten, sie erzeugt ein anderes Beschwerdebild, und sie wäre ein Grund, auf eine manuelle Behandlung zu verzichten.

Wie sicher ist die Diagnose?

Zervikogener Schwindel ist eine Ausschlussdiagnose. Es existiert kein Test, dessen Ergebnis die Zuordnung beweist, und keine bildgebende Untersuchung, die sie sichert. Arbeiten zur Aussagekraft der verfügbaren apparativen Verfahren kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass ein Referenzstandard fehlt.

Praktisch bedeutet das eine Diagnose in Stufen. Zuerst schließe ich die gefährlichen und die häufigen Ursachen aus. Dann prüfe ich, ob das Beschwerdemuster überhaupt zu einer Beteiligung des Nackens passt. Dann behandle ich und werte das Ansprechen als zusätzliche Information. Bleibt nach zwei bis drei gezielten Behandlungen jede Veränderung aus, spricht das gegen die Arbeitsdiagnose, und ich überdenke die Zuordnung, statt dieselbe Behandlung fortzusetzen.

Zum weiteren Verlauf lässt sich wenig Verlässliches sagen. Belastbare Zahlen darüber, wie viele Betroffene beschwerdefrei werden und wie lange das dauert, liegen nicht vor. Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass sich bei vielen Patientinnen und Patienten innerhalb weniger Wochen etwas bewegt und dass ein Teil eine längerfristige Betreuung mit größeren Abständen braucht.

Was spricht gegen die Halswirbelsäule als Ursache?

Ebenso wichtig wie die Zuordnung ist die Gegenprobe. Gegen eine Beteiligung der Halswirbelsäule sprechen unter anderem:

  • Echter Drehschwindel, bei dem sich die Umgebung eindeutig dreht
  • Attacken von Sekunden Dauer beim Hinlegen, Aufrichten oder Umdrehen im Bett, wie sie für den benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel typisch sind
  • Anfälle über Minuten bis Stunden mit einseitigem Ohrdruck, Hörminderung und Ohrgeräusch, wie sie bei Morbus Menière vorkommen
  • Schwindel zusammen mit Kopfschmerz, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit, was an eine vestibuläre Migräne denken lässt
  • Ein spontaner Nystagmus, ein auffälliger Kopfimpulstest oder eine Störung der Blickfolge
  • Benommenheit beim raschen Aufstehen, die auf die Kreislaufregulation oder auf Medikamente hinweist
  • Ein durchgehendes Unsicherheitsgefühl über Monate, das sich unter Ablenkung bessert und im ruhigen Stehen verstärkt, wie es beim funktionellen Schwindel beschrieben wird

Ein Teil dieser Bilder gehört in hals-nasen-ohrenärztliche oder neurologische Hand, und ich sage das dann auch. Nicht selten liegt eine Kombination vor, bei der eine vestibuläre Grunderkrankung behandelt gehört und die Nackenkomponente zusätzlich behandelt werden kann.

 
 

Häufig gestellte Fragen zu zervikogenem Schwindel

Was hilft bei zervikogenem Schwindel?

Im Vordergrund steht die manuelle Behandlung der oberen Halswirbelsäule, ergänzt um ein Übungsprogramm für Beweglichkeit, tiefe Halsbeuger und Blickstabilität. Für diese Kombination spricht die vorhandene Studienlage am ehesten, wenn auch bei geringer Aussagesicherheit. Begleitend behandle ich die Muskel- und Schmerzkomponente, unter anderem mit myofaszialen Techniken, mit Akupunktur oder mit Injektionen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die wichtigeren Schwindelursachen vorher abgeklärt wurden.

Wie lange dauert zervikogener Schwindel?

Belastbare Zahlen gibt es dazu nicht. Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass sich bei einem Großteil derjenigen, bei denen die Zuordnung stimmt, innerhalb von zwei bis drei Behandlungen eine erste Veränderung zeigt und dass die Beschwerden über einige Wochen weiter zurückgehen können. Bei anderen bleibt die Behandlung ohne erkennbare Wirkung, was für eine andere Ursache spricht. Wie schnell und wie weit es geht, hängt von der bisherigen Dauer der Beschwerden ab, von Begleiterkrankungen und davon, wie konsequent die Übungen umgesetzt werden.

Kann zervikogener Schwindel ohne Operation behandelt werden?

Eine Operation ist bei diesem Beschwerdebild kein Thema. Angenommen wird eine Funktionsstörung und keine strukturelle Schädigung, die sich chirurgisch beheben ließe. Operativer Handlungsbedarf entsteht nur dann, wenn die Abklärung eine eigenständige Erkrankung zutage fördert, etwa einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule mit Druck auf das Rückenmark. Solche Situationen erkennt man an begleitenden neurologischen Zeichen und nicht am Schwindel.

Worin unterscheidet sich zervikogener Schwindel vom Lagerungsschwindel?

Der Unterschied liegt in Charakter und Dauer. Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel dreht sich die Umgebung heftig für einige Sekunden bis etwa eine Minute, ausgelöst durch eine bestimmte Kopfbewegung wie das Hinlegen oder das Umdrehen im Bett. Ursache sind gelöste Kristalle aus dem Gleichgewichtsorgan, die in einen Bogengang geraten sind. Die Zuordnung gelingt mit einer Lagerungsprüfung, und die Behandlung besteht aus einem Befreiungsmanöver, das häufig schon in einer Sitzung wirkt.

Beim zervikogenen Schwindel steht ein anhaltendes Benommenheits- oder Schwankgefühl im Vordergrund, das über Minuten bis Stunden bestehen bleibt und mit Nackenbeschwerden einhergeht. Beide Bilder können nacheinander oder gleichzeitig vorliegen, weshalb ich die Lagerungsprüfung bei jeder Erstuntersuchung wegen Schwindels durchführe. Zeigt sich dabei ein Lagerungsschwindel, behandle ich ihn direkt mit dem passenden Befreiungsmanöver.

Welche Übungen helfen bei zervikogenem Schwindel?

Sinnvoll sind drei Gruppen von Übungen. Erstens Beweglichkeitsübungen für die obere Halswirbelsäule, etwa langsame Drehung und Seitneigung im schmerzfreien Bereich. Zweitens Kräftigungsübungen für die tiefen Halsbeuger, bei denen in Rückenlage das Kinn leicht in Richtung Kehle geführt und die Position kurz gehalten wird. Drittens Übungen für die Steuerung, bei denen ein fester Punkt fixiert wird, während der Kopf sich langsam bewegt, oder bei denen der Kopf mit geschlossenen Augen nach einer Drehung in die Ausgangsstellung zurückgeführt wird.

Die dritte Gruppe ist bei Schwindel die interessanteste und kommt in Eigenregie am seltensten vor. Alle Übungen sollten erst nach der Untersuchung und nach Anleitung begonnen werden, weil eine falsche Ausführung die Beschwerden verstärken kann und weil einzelne Übungen bei bestimmten Befunden nicht in Frage kommen.

Wann sollte Schwindel sofort abgeklärt werden?

Sofort und notfallmäßig abklären lassen sollten Sie einen Schwindel, der plötzlich einsetzt und von Sprech- oder Sprachstörungen, Doppelbildern, Sehverlust, Schluckstörungen, Taubheit oder Schwäche einer Körperhälfte, von Gangunfähigkeit oder von ungewohnt starkem Kopf- oder Nackenschmerz begleitet wird. Diese Kombination kann auf eine Durchblutungsstörung des Gehirns oder auf einen Einriss eines hirnversorgenden Halsgefäßes hinweisen. In diesem Fall wählen Sie den Notruf 112 und warten nicht auf einen Termin.

Zeitnah, aber ohne Notfallcharakter, gehören ein erstmalig aufgetretener heftiger Drehschwindel, eine neu aufgetretene einseitige Hörminderung, ein Schwindel nach einem Unfall und über mehrere Wochen anhaltende Beschwerden in ärztliche Abklärung.

Welche Rolle spielt Stress bei zervikogenem Schwindel?

Stress ist bei vielen Patientinnen und Patienten ein Verstärker. Anhaltende psychische Belastung erhöht die Muskelspannung im Nacken- und Schulterbereich und verändert damit genau die Signale, um die es bei diesem Beschwerdebild geht. Dazu kommt eine zweite Ebene: Wer Schwindel als bedrohlich erlebt, achtet stärker auf das eigene Gleichgewicht, bewegt den Kopf vorsichtiger und verstärkt damit unbeabsichtigt die Unsicherheit. Dieser Mechanismus ist beim funktionellen Schwindel gut beschrieben und spielt bei einem Teil der Patientinnen und Patienten mit Nackenbezug ebenfalls eine Rolle. Ich spreche das an, weil sich daraus Ansatzpunkte ergeben, die über die manuelle Behandlung hinausgehen.

Hilft Chiropraktik bei zervikogenem Schwindel?

Die vorliegenden Studien zur manuellen Behandlung bei diesem Beschwerdebild haben überwiegend Mobilisationstechniken untersucht, also langsam geführte Bewegungen. Die impulsartige Manipulation, die im allgemeinen Sprachgebrauch mit Chiropraktik gemeint ist, war dabei kaum Gegenstand. Für die Mobilisation der oberen Halswirbelsäule zeigen sich Vorteile gegenüber einer Scheinbehandlung, allerdings bei niedriger bis sehr niedriger Aussagesicherheit der zugrunde liegenden Studien. Für die impulsartige Manipulation bei Schwindel liegt keine vergleichbare Studienlage vor.

Ich arbeite deshalb bei Schwindel überwiegend mit Mobilisation und setze Impulstechniken zurückhaltend ein. Gegen eine manuelle Behandlung sprechen unter anderem ein akut aufgetretener Schwindel mit neurologischen Begleitsymptomen, eine Erkrankung des Innenohrs als eigentliche Ursache, eine Beteiligung des Rückenmarks, entzündliche rheumatische Erkrankungen mit Befall der Kopfgelenke und eine ausgeprägte Osteoporose. Die Einordnung gehört zur Erstuntersuchung.

Was sagen wissenschaftliche Studien zu zervikogenem Schwindel?

Die Studienlage ist dünn und uneinheitlich, und die Schwierigkeiten beginnen bereits beim Krankheitsbegriff. Die Bárány Society hält in ihrer Stellungnahme von 2022 fest, dass die Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen echtem Drehschwindel und Veränderungen an der Halswirbelsäule fehlen, und empfiehlt den Begriff zervikaler Schwindel.

Zur Behandlung liegt eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2025 vor. Sie fasst sechs randomisierte Studien mit insgesamt 272 Patientinnen und Patienten zusammen. Für Behandlungen, die sich auf die obere Halswirbelsäule konzentrieren, fand sie gegenüber einer Schein- oder Kontrollbehandlung statistisch bedeutsame Verbesserungen bei der Schwindelintensität und bei der Beeinträchtigung durch den Schwindel. Für Nackenschmerz und Nackenbeeinträchtigung ergab sich kein Unterschied, für eine breiter angelegte manuelle Behandlung ebenfalls nicht. Die Verfasser stufen die Aussagesicherheit als niedrig bis sehr niedrig ein, begründet mit kleinen Fallzahlen, fehlender Verblindung der Behandelnden und breiten Vertrauensintervallen.

Die größte Einzelstudie darin stammt von Reid und Mitarbeitern, mit 86 Teilnehmenden und einer Nachbeobachtung über zwölf Monate. Untersucht wurden zwei Mobilisationsverfahren gegen eine Scheinbehandlung. Für die Einordnung ist zweierlei wichtig: Der Vergleich erfolgte gegenüber einer Scheinbehandlung, ein Vergleich mit anderen konservativen Verfahren war nicht Gegenstand der Studie. Und die untersuchten Techniken waren Mobilisationen.

Zusammengefasst spricht die Evidenz dafür, dass eine gezielte Behandlung der oberen Halswirbelsäule bei ausgewählten Patientinnen und Patienten Schwindelbeschwerden verringern kann. Sie trägt nicht die Aussage, dass damit eine Ursache beseitigt wird, und sie trägt keinen Vergleich mit anderen Behandlungsformen.

Seemungal BM et al.: The Bárány Society position on Cervical Dizziness. Journal of Vestibular Research 2022;32(6):487-499
Carrasco-Uribarren A et al.: Is manual therapy effective for cervical dizziness? A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. BMC Musculoskeletal Disorders 2025;26:659
Reid SA et al.: Manual therapy for cervicogenic dizziness. Long-term outcomes of a randomised trial. Manual Therapy 2015;20(1):148-156

Was kostet eine Behandlung in Ihrer Praxis?

Die Behandlung kann nur privat abgerechnet werden. Gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten können gerne ebenfalls behandelt werden, erhalten jedoch eine Selbstzahlerrechnung, die üblicherweise nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.

Ich rechne nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Die Höhe der Kosten richtet sich nach den individuell erforderlichen und erbrachten Leistungen. Bei einem üblichen Termin mit Beratung, Untersuchung und Behandlung liegt der Rechnungsbetrag für Selbstzahler erfahrungsgemäß bei etwa 175 €. Bei aufwendigerer Diagnostik, zusätzlichen Leistungen oder verwendeten Medikamenten kann der Betrag darüber liegen. Auf Wunsch informiere ich Sie vor der Behandlung über die voraussichtlichen Kosten.

Zervikogenen Schwindel abklären lassen in München-Sendling

Eine Überweisung benötigen Sie nicht. Bringen Sie zum ersten Termin bitte vorhandene Befunde mit, insbesondere Berichte aus einer hals-nasen-ohrenärztlichen oder neurologischen Abklärung und vorliegende Bildgebung der Halswirbelsäule. Das verkürzt die Erstuntersuchung spürbar und erspart Doppeluntersuchungen.

Meine Praxis liegt in München-Sendling-Westpark am Heimeranplatz, erreichbar mit der U-Bahn (U4/U5, Haltestelle Heimeranplatz) oder über den Mittleren Ring. Patientinnen und Patienten kommen unter anderem aus Sendling, Laim, Schwanthalerhöhe, Obersendling und Thalkirchen.

 
 
Kurzfristige Termine in München Sendling-Westpark
Dr. Jonas Putzhammer
Dr. med. Jonas Putzhammer

Schulmedizin mit Blick aufs Ganze, angewandt in Form von Manueller Medizin

  • seit über 10 Jahren tätig als Spezialist für Wirbelsäulentherapie
  • Mitglied der DGMSM (Deutsche Gesellschaft für Muskuloskelettale Medizin)
  • Mitglied der ZAEN (Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V.)
  • Mitglied der DÄGfA (Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V.)
 
 
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